Karfreitag

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Karfreitag

Sie können diesen Gottesdienst auch mit einem Spaziergang verbinden und bei jeder Station eine Gebetspause einlegen.

Vorzubereiten:

  • Kreuz
  • Grablicht, Kerze
  • Gesangbuch
  • frische Blumen

Zur Bedeutung des Tages:

Die Farbe im Gottesdienst ist schwarz. Es ist die Farbe der Trauer. So begleiten wir Jesus heute auf seinem Leidensweg bis hin ins Grab.

Die Feier:

Das lange Sterben – Ein biblisch-historischer Kreuzweg

(die Texte sind im Wesentlichen entnommen aus: G. Fuchs: Das große Buch der Kreuzwegandachten, S. 37-45)

 

Hinführung

(Eine*r liest)

Dieser Kreuzweg will den historischen Umständen nachspüren, unter denen Jesus – wahrscheinlich am 6. April des Jahres 30 – in Jerusalem den Tod am Kreuz starb. Wir wagen einen Blick auf die einer zivilen Gesellschaft unzumutbar scheinenden Umstände einer Hinrichtung um die Zeitenwende, um die Augen dafür zu öffnen, was Jesus auf sich genommen hat, um bis zuletzt für die Wahrheit seiner Verkündigung eines Reiches Gottes unter den Menschen einzustehen.

Der Kreuzweg umfasst sieben Stationen. Zu jeder Station gehören Schriftworte, Fürbitten, ein Lied sowie eine Beschreibung des Ablaufs einer Kreuzigung unter Berücksichtigung der Geschehnisse, wie sie die Evangelien benennen. Zwischen dieser Beschreibung, die als nüchterne Betrachtung gestaltet werden sollte, und den Fürbitten ist eine kurze Stille sinnvoll.

 Wenn Sie die Andacht mit mehreren feiern, können Sie die Abschnitte im Wechsel lesen und beten.

 

Eröffnung:

(gemeinsam) Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

(Eine*r) Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn.

(Eine*r) Der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Einführung:

Das Kreuz ist bei uns zu einem Alltagsgegenstand geworden, wir schmücken unsere Räume damit und nicht selten uns selbst. Wir sprechen von einem „Kreuz“, das wir tragen – ohne wirklich zu wissen, was Kreuztragen eigentlich bedeutet. Wer mein Jünger sein will, sagt Jesus, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Doch an anderer Stelle fragt er seine Jünger: Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde? Er stellt diese Frage auch uns, die wir heute seinen Kreuzweg gehen. Zu ihm, der Unvorstellbares erlitten hat, rufen wir:

Lied: EG 76, 1+2 O Mensch, bewein dein Sünde groß

 1 Verurteilung  Schrifttext: Da übergab er ihnen Jesus zur Kreuzigung. (Joh 19,16)

 Betrachtung

Die letzten Worte im Prozess gegen Jesus von Nazaret bilden den Beginn seines Kreuzweges. Mit ihnen wird die Verhandlungsakte geschlossen, nun beginnt der letzte Akt seines irdischen Lebens: Das lange, qualvolle Sterben. Diese letzten Worte des Richters sind uns aus den Evangelien nicht überliefert, aber wahrscheinlich werden sie gelautet haben: „Ich verurteile dich. Du wirst das Kreuz besteigen. Lictor, binde ihm die Hände. Er soll gegeißelt werden.“

Jesus wurde zum Tod verurteilt, weil er nach Ansicht des Pilatus das Verbrechen der „Verletzung der Majestät des Kaisers“ begangen hat. Geschickt wurde er von den jüdischen Verantwortlichen in diese Meinung gedrängt. Beim Vorliegen dieses Tatbestandes wurde ohne Zögern das Todesurteil ausgesprochen. Und hatte Jesus nicht zugegeben, dass er ein König ist? Auch Schweigen galt als Bestätigung dieses Vorwurfs. So blieb dem römischen Richter kaum etwas anderes übrig, als Jesus im Einklang mit dem römischen Strafrecht zum Tod am Kreuz zu verurteilen. Das war seine Aufgabe als Statthalter: jeden Funken einer etwaigen Missachtung der Kaiserherrschaft sofort zu unterdrücken.

Die entehrende Art der Tötung durch Kreuzigung wurde vor allem an Angehörigen der Unterschicht vollzogen; sie war für Skaven, Gewaltverbrecher, Aufrührer vorgesehen, während römische Bürger – wie später Paulus – durch das Schwert bzw. den Strang hingerichtet wurden. Sie war so verpönt, dass man sich scheute, das Wort „Kreuz“ überhaupt auszusprechen.

Fürbitten

  • Lasst uns beten für alle, die zum Tod verurteilt sind. Herr, erbarme dich.
  • Lasst uns beten für alle, die ein ungerechtes Urteil empfangen, die aufgrund falscher Anschuldigung verurteilt werden; für alle, die ohne Urteilsspruch hingerichtet wurden und noch werden.
  • Lasst uns aber auch beten für alle, die Wahrheit suchen und Recht sprechen.
  • Lasst uns beten für alle, die eine Todesnachricht überbringen müssen.
  • Lasst uns auch beten für uns selbst, dass wir den Menschen gerecht werden

und kein vorschnelles Urteil fällen.

 Lied: EG 85, 1 O Haupt voll Blut und Wunden

 2 Kreuzaufnahme Schrifttext: Da übernahmen sie Jesus. Und er trug selbst sein Kreuz. (Joh 19,16b–17a)

Betrachtung

Nur zwei Stationen des „Kreuzweges“ sind uns bekannt, das Ziel, der Richtplatz Golgota, und der Ausgangspunkt, der Ort der Verurteilung, das Prätorium. Dort, wahrscheinlich am ehemaligen Herodespalast, der den römischen Statthaltern als Residenz diente, laden die Soldaten Jesus das Kreuz auf die Schultern. Genau genommen ist es nur ein Kreuzesbalken.

Das Kreuz war zunächst einfach ein Pfahl, ein Stamm, an dem der Verurteilte festgebunden wurde, sodass er verdurstete, an Erschöpfung starb oder von wilden Tieren gefressen wurde. So geschah es auch mit bereits Getöteten, die man zur Abschreckung an den Pfahl hängte oder gar aufspießte, pfählte. Erst später kam der Querbalken auf. Daran wurde der Delinquent festgebunden oder festgenagelt und an dem Stamm hochgezogen. So konnte man den Kreuzesstamm unter Umständen mehrmals nutzen.

Nicht selten mussten die Todeskandidaten diesen Querbalken selbst zur Hinrichtungsstätte tragen. Er wurde ihnen auf die Schultern gelegt und an ihren Armen festgebunden. An diesem Balken würden sie definitiv ihr Leben herausschreien. Von einem Hinrichtungskommando – ein Hauptmann und vier Soldaten – wurden die Verurteilten dann durch die Straßen zum Hinrichtungsort geführt. Ihnen voran trug man den titulus, eine Inschrift, die später auf dem Kreuz angebracht wurde und den Grund für die Hinrichtung öffentlich bekannt machte.

 Fürbitten

  • Lasst uns beten für alle Schwerkranken, die ihren letzten Weg vor Augen haben.

Herr, erbarme dich.

  • Lasst uns beten für alle Menschen, die als Todeskandidaten in den Gefängnissen sitzen und auf die Vollstreckung warten.
  • Lasst uns aber auch beten für all jene, die ein Todesurteil vollstrecken müssen.
  • Lasst uns beten für alle, die anderen ihr Leid erschweren.
  • Lasst uns auch beten für uns selbst um ein gefasstes und glaubensstarkes Annehmen unseres Sterbens.

 Lied: EG 85, 2 Du edles Angesichte

 3 Kreuzweg Schrifttext: Einen Mann, der gerade vom Feld kam, Simon von Zyrene, den Vater des Alexander und Rufus, zwangen sie, sein Kreuz zu tragen. (Mk 15,21)

 Betrachtung

Die Kreuzigung wurde nicht von den Römern erfunden; sie haben sie von den Karthagern übernommen, schon vorher wurde sie von den Persern und Mazedoniern praktiziert. Sie war auch nicht selten; ungezählte Menschen in der antiken Welt mussten „das Kreuz besteigen“. Die Kreuzigung Jesu und zweier Räuber ist für die Menschen nichts ungewöhnliches. Trotzdem säumen den letzten Weg Jesu viele Schaulustige – die Vollstreckung eines Todesurteils zieht bis heute Menschen in den Bann.

Die psychischen Qualen der Verurteilten lassen sich kaum ausmalen. Gegen eine Hinrichtung am Kreuz sind alle modernen Vollstreckungen des Todesurteils geradezu human. Hinzu kam die körperliche Schwächung, da die Verurteilten oft noch gegeißelt wurden, wobei man den Todeskandidaten Haut und Fleisch in Fetzen schlug.

Im Fall Jesu kam außerdem noch der Schlafentzug hinzu, da er in der Nacht gefangen genommen und verhört wurde. Psychisch und physisch am Ende, taumelt Jesus der Schädelstätte entgegen – und stürzt. Er ist nicht mehr in der Lage, den schweren Balken länger zu tragen. Die Soldaten geben sich damit jedoch nicht selbst ab, sie zwingen vielmehr einen zufälligen Passanten, der kräftig genug erscheint, mit anzupacken. Die Hinrichtung kann keine längere Unterbrechung dulden.

 Fürbitten

  • Lasst uns beten für alle, die Kranke und Sterbende pflegen, für alle, die ihnen geistlichen Beistand geben. Herr, erbarme dich!
  • Lasst uns beten für alle Männer und Frauen, die in Rettungsdiensten bei Unglücken und Katastrophen helfen.
  • Lasst uns aber auch beten für all jene, die niemanden haben, der ihnen im Sterben beisteht.
  • Lasst uns beten für alle, die andere aus Angst in ihren Nöten im Stich lassen.
  • Lasst uns auch beten für uns selbst um Mut und Kraft, anderen in ihrem Sterben nahe zu sein.

Lied: 85,3 Die Farbe deiner Wangen

4 Annagelung

(Legen Sie das Kreuz vor sich und betrachten Sie es einen Moment in Stille. Was entdecken Sie darauf?)

 Schrifttext: Nachdem die Soldaten Jesus an Kreuz geschlagen hatten, nahmen sie seine Klei- der und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen. (Joh 19,23)

 Betrachtung

An der Richtstätte Golgota angekommen, werden den Verurteilten ihre wenigen Kleidungsstücke vom Leib gerissen. Von den Römern ist bekannt, dass sie die Verurteilten nackt kreuzigten – eine zusätzliche Entehrung. Vielleicht wurde in Jerusalem auf jüdisches Schamempfinden Rücksicht genommen und den Todgeweihten wenigstens ein Lendentuch gelassen. Wie das Hinrichtungskommando nun die Kreuzigung vornahm, blieb ihm selbst überlassen. Es gab keine allgemein gültigen Vorschriften. So konnten die Soldaten ihre „künstlerische Freiheit“, vor allem auch ihren Sadismus, völlig ausleben.

Vom Evangelisten Johannes wissen wir, dass Jesus an das Kreuz angenagelt wurde. Das Annageln war üblich, wenn auch nicht die einzige Art der Fixierung des Körpers am Kreuz. Die ausgestreckten Arme wurden mit Eisennägeln durch die Handwurzeln bzw. durch Elle und Speiche hindurch auf den Querbalken genagelt. Jetzt wurde dieser am Längsbalken des Kreuzes hochgezogen und befestigt. Die Füße wurden unterschiedlich am Holz angebracht: Manchmal ließ man sie herabbaumeln, oft wurden sie jeweils seitlich an den Stamm genagelt, bisweilen auch übereinander oder auch nebeneinander.

Um das Sterben hinauszuzögern, brachte man manchmal auch ein kleines Sitzbrett am Kreuzesbalken an; auch ein Holzkeil unter den Füßen sollte und konnte das Herabrutschen des Körpers verhindern. Die Schmerzen müssen unbeschreiblich gewesen sein; um den Gekreuzigten etwas zu betäuben, konnte man ihm Wein mit Myrrhe oder Weihrauch vermischt reichen.

 Fürbitten

  • Lasst uns beten für alle, die hingerichtet werden oder eines gewaltsamen Todes sterben. Herr, erbarme dich.
  • Lasst uns beten für alle, die an lebensverlängernden Maschinen hängen.
  • Lasst uns aber auch beten für alle, die andere zu Tode quälen und foltern.
  • Lasst uns beten für alle, die einen Menschen getötet haben.
  • Lasst uns beten für uns selbst, dass wir nicht schuldig werden am Tod anderer.

 Lied: EG 85,4 Was du, Herr, hast erduldet

5 Sterben Schrifttext: Jesus schrie noch einmal laut auf. Dann hauchte er den Geist aus. (Mt 27,50)

 Betrachtung

Das lange Sterben am Kreuz. Die Schmerzen durchlaufen jetzt ohne Unterbrechung den ganzen Körper. Da sind die Wunden der Nägel in Armen und Beinen, die Wunden der Geißelung, die den Körper schon vor der Kreuzigung zerfetzte. Durch das Hängen verkrampft sich die Armmuskulatur, wird das Körpergewicht nach unten gezogen. Immer wieder stemmt sich der Gekreuzigte auf, um die Muskelverspannung in den Armen für kurze Zeit zu mindern.

Die Sonne brennt auf den nackten Körper, der Schweiß rinnt herab. Der hohe Flüssigkeitsverlust führt zu qualvollem Durst. Die Körpertemperatur wird immer höher, der Blutkreislauf bricht allmählich zusammen. Langsam sackt das Blut in die untere Körperhälfte.

Der Muskelkrampf in den Armen zieht sich bald über den ganzen Körper, erreicht auch die Atemmuskulatur, das Atmen fällt zunehmend schwerer. Der Blutdruck beginnt zu sinken, der Sauerstoffspiegel des Blutes nimmt ab, der Kohlensäuregehalt steigt. Es kommt zu Erstickungsanfällen und, durch sie bedingt, zu Panikattacken, Schreien. Alle Körperfunktionen nehmen ab, der Gekreuzigte kann nicht mehr atmen, der Herzschlag setzt aus. Sein Kopf sinkt auf die Brust.

 Fürbitten

  • Lasst uns beten für alle, die in dieser Stunde im Sterben liegen. Herr, erbarme dich!
  • Lasst uns beten für alle, die einen qualvollen Tod sterben müssen.
  • Lasst uns beten für alle, die das schwere Sterben eines Angehörigen miterleben müssen.
  • Lasst uns aber auch beten für alle, die sterben wollen, aber nicht sterben können.
  • Lasst uns auch beten für uns selbst: um einen gnädigen Tod und eine gute Sterbestunde.

 Lied: EG 85,5 Ich danke dir von Herzen

6 Kreuzabnahme

Schrifttext: Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen. (Joh 19,31)

 Betrachtung

Der Todeskampf der Gekreuzigten konnte sich – je nach ihrer körperlichen Verfassung und abhängig von der Raffinesse des Hinrichtungskommandos – über Stunden oder sogar Tage hinziehen. Er konnte jedoch auch verkürzt werden: weniger aus Mitleid mit den Verurteilten, eher gefördert durch eine Bestechung der Angehörigen – oder auch, weil das Hinrichtungskommando die Geduld verlor.

Um das grausame und lange Sterben abzukürzen, gab es verschiedene Verfahren: Erdrosseln mit einem Strick, Ersticken durch ein Feuer, das vor dem Kreuz entzündet wurde. Bestialisch mutet das Zerbrechen der Beinknochen an: Durch das Zerschlagen von Schien- und Wadenbein konnten sich die Sterbenden von den Beinen her nicht mehr aufrichten und das Gewicht des Körpers entlasten. Bei Jesus sollte der Lanzenstich ins Herz kein gnädiges Ende bereiten, er war bereits tot.

Doch auch nach dem Tod war die Strafe noch nicht beendet. Oft blieben die Leichen am Kreuz hängen und wurden wilden Tieren zur Nahrung überlassen. Über den Tod hinaus wurden sie entehrt, zur Abschreckung öffentlich ausgestellt. Manchmal wurden die Leichen von den Henkern an den Händen und Füßen einfach vom Kreuz abgehackt, fortgeschafft und verscharrt. Die baldige Freigabe eines Toten zur Bestattung war ein Gnadenakt.

 Fürbitten

  • Lasst uns beten für all jene, die sich in Bestattungsunternehmen der Toten annehmen.

Herr, erbarme dich.

  • Lasst uns beten für die Männer und Frauen, die Leichen obduzieren.
  • Lasst uns beten für alle, die einen Angehörigen verloren haben und sich jetzt um die letzten Dinge kümmern müssen.
  • Lasst uns aber auch beten für solche Menschen, die Tote in ihrer letzten Ruhe stören, an Leichen Gefallen finden.
  • Lasst uns auch beten für uns selbst, dass wir jemanden haben, der sich nach unserem Sterben unser annimmt.

 Lied: EG 85,6 Wenn ich einmal soll scheiden

7 Beisetzung

(Entzünden Sie das Grablicht, oder eine andere Kerze und Stellen sie es neben das Kreuz, ebenso die Blumen)

 Schrifttext: Josef aus Arimathäa und Nikodemus nahmen den Leichnam Jesu und umwik- kelten ihn mit Leinenbinden, zusammen mit den wohlriechenden Salben, wie es beim jüdischen Begräbnis Sitte ist. An dem Ort, wo man ihn gekreuzigt hatte, war ein Garten, und in dem Garten war ein neues Grab, in dem noch neimand bestattet worden war. Wegen des Rüsttages der Juden und weil das Grab in der Nähe lag, setzten sie Jesu dort bei. (Joh 19,40–42)

 Betrachtung

Jesu Leichnam verbleibt nicht lange am Kreuz; schon bald nach Eintreten des Todes, noch vor Sonnenuntergang und damit dem Ende des Tages, bittet Josef aus Arimathäa um seinen Leichnam. Dass Jesus tot ist, wird Pilatus, der das Abnehmen der Leiche und das Begräbnis gestatten muss, vom Hauptmann des Hinrichtungskommandos bestätigt.

Sowohl nach römischem Brauch als auch nach jüdischem Bestattungsrecht haben die Leichen der Hingerichteten ihren Platz bei den Ausgestoßenen. Jesus hingegen wird nicht in einer Gemeinschaftsgrube verscharrt, für ihn steht ein neues, noch nicht genutztes Familiengrab des ihm nahe stehenden begüterten Josef aus Arimathäa zur Verfügung. Es befindet sich westlich des Golgotahügels in einem Felsen, in den auch andere Gräber gehauen wurden. Hier wird Jesus, nachdem zuvor sein Leichnam in ein Tuch eingehüllt und wohl auch gewaschen und mit Duftkräutern versehen wurde, beigesetzt.

24 Stunden zuvor hatte er noch mit seinen Freunden gespeist und getrunken.

 Fürbitten

  • Lasst uns beten für alle unsere Verstorbenen, derer wir in Liebe gedenken. Herr, erbarme dich.
  • Lasst uns beten für alle, die sich um Gräber kümmern, Kriegsgräber pflegen.
  • Lasst uns aber auch beten für alle, deren letzte Ruhestätte nicht bekannt ist.
  • Lasst uns beten für die anonym Bestatteten, für die in Massengräbern Verscharrten.
  • Lasst uns auch beten für uns selbst um die Gnade einer würdigen Grabstätte.

 Lied: EG 85,7 Erscheine mir zum Schilde

Gebet

Herr Jesus Christus, was du für uns erduldet hast, übersteigt unsere schlimmsten Vorstellungen. Doch wir wollen nicht auf die Menschen zeigen, die diese Quälereien damals verübt haben – auch in unserer Zeit gehen wir miteinander oft nicht weniger unmenschlich um. So sind wir bis heute auf der Seite derer zu finden, die dich zu Tode gequält haben.

Wie du deinen Peinigern damals verziehen hast, so verzeihe auch uns heute all das Böse, das wir – bewusst oder unbewusst – einander antun. Lass unter uns das Reich deines Vaters anbrechen, ein Reich des Friedens, des Verständnisses und der Liebe – und mach uns in unserer Gesinnung und in unserem Handeln zu Zeugen dieses Reiches.

Darum bitten wir dich, unseren geschundenen Bruder und auferstandenen Herrn, Jesus Christus, in der Gemeinschaft deines Vaters und des Heiligen Geistes – Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Lied: EG 93 Nun gehören unsre Herzen

In den Gottesdiensten am Karfreitag entfällt der Segen nicht, er ist an einer anderen Stelle. In der Tradition bilden die Feiern der heiligen Tage eine einzige. So findet die Karfreitagsliturgie ihre Fortsetzung mit den Gebeten am Karsamstag und mündet in Ostergottesdienst und der Segen am Ostersonntag ist jener, der mit der Feier des Karfreitags verbunden ist.

 

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