Wo Gott durch die Kornfelder geht – Elegien aus Ähren über Arbeit, Liebe und den weiten Himmel

von Theophilus Kai

Elegie der Ernte

Junge Männer,
vom harten Land geformt,
die Schultern breit
vom Tragen der Jahre,
die Hände rau
vom Griff in Erde, Eisen und Korn.

Mit freier, sonnengebräunter Brust
reiten sie nicht auf Rossen,
sondern auf stählernen Erntemaschinen,
deren Herz aus Diesel schlägt,
deren Räder die Zeit
in den Boden schreiben.

Vor ihnen
liegt das Meer der Felder,
golden,
funkelnd im Licht des Hochsommers,
jede Ähre ein Versprechen,
jede Welle aus Weizen
ein Atemzug der Erde.

Der Wind trägt den Duft
reifen Korns,
mischt ihn mit Staub,
Schweiß
und der stillen Würde
ehrlicher Arbeit.

Kein Jubel begleitet sie,
nur das gleichmäßige Dröhnen der Motoren,
das Rufen der Lerchen,
das ferne Bellen eines Hundes
und das Wispern der Halme,
die sich dem Schnitt ergeben.

Sie wissen:
Der Sommer ist flüchtig.
Das Gold wird bald
zu Brot,
zu Saat,
zu Erinnerung.

Ihre Körper erzählen
von Entbehrung und Kraft,
doch auch sie
werden älter werden,
wie die Maschinen,
wie die Höfe,
wie die Menschen,
die auf ihre Heimkehr warten.

Und wenn die Sonne
langsam hinter den Scheunen versinkt
und das Licht
die Felder in Kupfer verwandelt,
bleibt für einen Augenblick
die Ahnung,
dass Würde
nicht im Lärm der Welt wohnt,

sondern dort,
wo Menschen
mit Erde,
Licht
und Zeit
im Einklang arbeiten,

und das Gold des Sommers
mit ruhiger Hand
der Zukunft anvertrauen.

Elegie im Kornlicht

Junge Männer,
vom harten Land geformt,
mit Schultern,
auf denen Sommer ruhen,
mit sonnenwarmer Haut,
über die das Licht
wie flüssiges Gold gleitet.

Auf stählernen Erntemaschinen
ziehen sie ihre Bahnen
durch das wogende Meer
reifer Felder.
Der Wind öffnet ihre Hemden,
lässt freie Brüste glänzen,
zeichnet Muskeln nach,
die nicht dem Spiegel,
sondern der Arbeit gehören.

Sie lachen einander zu,
kurz,
bevor der Motor
jedes Wort verschluckt.
Ein Blick genügt.
Zwischen Staub,
Maschinenöl
und Weizenduft
entsteht eine Sprache,
die niemand lehren muss.

Ihre Körper
tragen die gleiche Sonne,
ihre Hände
denselben Ackerstaub.
Sie kennen die Kraft des anderen,
sehen sie
im festen Griff ans Lenkrad,
im ruhigen Gang,
im verschwitzten Nacken,
auf dem das Licht
einen schmalen Heiligenschein hinterlässt.

Es ist keine laute Liebe.
Sie wächst
wie das Korn:
langsam,
dem Himmel entgegen,
verwurzelt
im Boden,
der beide trägt.

Wenn am Abend
die Sonne
das Gold der Felder
mit dem Gold ihrer Haut
verschmelzen lässt,
scheint die Welt
für einen flüchtigen Augenblick
vollkommen.

Nicht weil sie jung sind.
Nicht weil sie schön sind.

Sondern weil zwei Männer
einander ansehen,
ohne Furcht,
ohne Masken,
und inmitten
des endlosen Sommers
erkennen,
dass Sehnsucht
ebenso natürlich ist
wie Wind im Weizen
und Liebe
ebenso alt
wie die Erde selbst.

Elegie am Wegekreuz

Junge Männer,
vom Land geformt,
mit sonnengebräunten Schultern,
auf denen Arbeit
und Sommer gleichermaßen ruhen.

Bar jeder Eitelkeit
trägt ihre Haut
den Glanz des Schweißes,
den Duft von Staub,
Heu und Maschinenöl.
Sie sitzen hoch
auf den stählernen Erntemaschinen,
als ritten sie
durch ein goldenes Meer.

Der Weizen
wogt bis an den Horizont.
Jede Ähre
fängt das Licht ein,
als hätte der Himmel
seine Sterne
für einen Tag
auf die Erde gestreut.

Am Rand des Feldes
steht ein altes Wegekreuz,
vom Regen dunkel geworden,
von Efeu umschlungen,
von Generationen
im Vorübergehen gegrüßt.

Wenn die Mittagsglocke
aus dem Dorf
über die Felder zieht,
nimmt einer
für einen Augenblick
die Hand vom Lenkrad.
Nicht aus Gewohnheit.
Aus Ehrfurcht.

Der andere
sieht zu ihm hinüber,
lächelt,
und in diesem Lächeln
liegt mehr Zärtlichkeit
als in tausend gesprochenen Worten.

Sie sprechen selten
über Gott.
Das Land
hat ihnen beigebracht,
dass das Wesentliche
nicht laut wird.

Es zeigt sich
im Vertrauen,
mit dem einer
dem anderen entgegenfährt,
im Brot,
das sie teilen,
im Wasser,
das von Hand zu Hand geht,
und in den Blicken,
die länger verweilen,
als sie es früher gewagt hätten.

Der Abend
senkt sein warmes Licht
über Felder,
Maschinen
und ihre Körper.
Gold
mischt sich mit Gold.

Sie steigen ab,
staubig,
erschöpft,
schweigend.

Bevor sie auseinandergehen,
bleiben sie
einen Augenblick
am Wegekreuz stehen.

Keiner macht
große Gesten.

Eine Hand
findet die andere.

Nur für einen Moment.

Der Wind fährt
durch das Korn,
die Glocken
verklingen,
und über ihnen
spannt sich der weite Himmel,
unter dem
Liebe
keine Rechtfertigung braucht,

sondern nur
den Mut,
wie das Korn
dem Licht entgegenzuwachsen.

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