Wenn die Butter bei mir umzieht, dann beginnt der Herbst wirklich.
Butter ist schon eine herausfordernde Substanz, die Vorausdenken erfordert. Meine Oma konnte das spielend. Abends, wenn sie die Brötchen aus der Gefriertruhe holte, sie frohr so gut wie alles ein, holte sie gleich die Butter aus dem Kühlschrank und stellte beides über Nacht auf die Anrichte. Morgens dann, wenn die Küche in der kälteren Jahreszeit, gefühlt jetzt, geheizt war und ich die Tür öffnete, begegnete mir ein morgendlicher Wohlgeruch nach warmen aufgebackenen Brötchen, Butter und Kaffee umspielten meine Nase. Welch schöne Erinnerung.
Bei mir zieht die Butter nur zweimal im Jahr um. Einmal aus der Kammer in den Kühlschrank im späteren Frühjahr und jetzt, wo es morgens kalt wird und vielleicht schon mal die Null Grad winken. Dann wandert meine Bitter vom Kühlschrank in die Kammer. So bleibt sie streichfest und wird nicht ranzig.
Eine Kleinigkeit, fast schon eine Banalität. Aber wenn ich mein Jahr so ansehe, gibt es viele solcher Kleinigkeiten, die meinem Alltag aufs Jahr gesehen einen Rhythmus geben. So kann ich in meinem oftmals zerfaserten Tag einen größeren Rahmen geben, eine kleine Struktur gestalten, um nicht zwischen zu oft gebrauchten Shortstories im Netz zu zerfließen oder ängstlich erstarrt an immer gleichen Strukturen festzuhalten.
Ein paar Wegmarken übers Jahr verteilt und gut platziert ermöglich mir einen freien Umgang mit alles was sonst passiert.
Eben, wenn die Butter in die Kammer umzieht wird es schon mal Zeit an den Novemberblues und die Wohlfühlmomente zu denken.
